Die Geschichte des Baukastens
Der Baukasten ist "in die Jahre" gekommen. Und das ist auch gut so. Über zwei Jahrzehnte haben das Haus und der Verein für die Entstehung fester sozialer Strukturen zwischen den hier Wohnenden gesorgt. Über vielfältige soziale, politische und kulturelle Aktivitäten hat sich das Haus darüber hinaus in den Stadtteilstrukturen der Nordstadt fest verankert. Nur wenige so genannter alternativer Wohnprojekte, die vor allem in den 1980er Jahre als Ausdruck einer solidarischen und alternativen Vorstellung von Leben in der Gemeinschaft entstanden sind, überdauerten die Zeit des Laufen Lernens.
Rückblick: das Schwesternwohnheim
1985 war das ehemalige Schwesternwohnheim des Nordstadtkrankenhauses am Herrenhäuser Kirchweg noch ein hässlicher Klotz – die Außenflächen unattraktiv, innen lange Flure, kleine Zimmer und winzige Küchen.
Gebaut wurden die beiden Häuser 1965 als Anlageobjekt der Zusatzversorgungskasse der Stadt Hannover. Der Bau wurde mit öffentlichen Geldern mit der Auflage unterstützt, dass die Häuser für 20 Jahre als Personalwohnheim genutzt würden. Nach fast 20 Jahren standen die Häuser im April 1985 leer. Die Lehrschwestern des Krankenhauses waren ausgezogen – wohl auch wegen des unattraktiven Wohnstandards.
Projektidee
Eine Gruppe von Studierenden des Fachbereichs Architektur entwickelte im Rahmen eines Studienprojektes ein Konzept, um die Gebäude kostengünstig umzubauen, den Wohnheimcharakter aufzulösen und preiswerten Wohnraum für Wohngemeinschaften zu schaffen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Nordstadt zu diesem Zeitpunkt Sanierungsgebiet war und dadurch günstiger Wohnraum im Stadtteil vernichtet wurde. Das Konzept für den Umbau sah vor, auf teure Änderungen der Statik der Gebäude zu verzichten und mit recycelten Baumaterialien Kosten sparend zu bauen.
Vereinsgründung und Verträge
Die Projektgruppe mit dem Dozenten Sid Auffahrt gründete im Januar 1985 einen Verein mit dem Ziel, die Häuser zu kaufen, in Selbstverwaltung zu nutzen und ohne Gewinn an StudentInnen, SchülerInnen und Auszubildende weiterzuvermieten. Der anvisierte Kauf wurde zwar von Seiten der Stadt abgelehnt, aber nach zähen Verhandlungen wurde 1985 das Haus am Herrenhäuser Kirchweg 12 für einen Zeitraum von 5 Jahren an den Verein Baukasten vermietet.
Kündigung und Kampf
Nach Ablauf der fünfjährigen Mietzeit wurde dem Verein gekündigt. Begründet wurde dies mit einem vagen Bebauungsplan des Nordstadt-Krankenhauses, der auf das Gelände des Baukastens zugreifen sollte.Die städtische Verwaltung und Parteienlandschaft hatte jedoch nicht mit dem zähen Widerstand der BewohnerInnen gerechnet, die ihr Projekt keineswegs einfach aufgeben wollten. Es folgten sieben vertragslose Jahre der Verhandlungen mit politischen Entscheidungsträgern, die von verschiedensten Formen der Öffentlichkeitsarbeit begleitet wurden. Im Mittelpunkt standen dabei die Auseinandersetzung mit dem nordstädtischen Sanierungskonzept und der Solidarisierung mit verschiedenen Stadtteil- und Wohnprojekten, die ebenfalls um ihren Erhalt kämpften.
Am Ende dieses langen Prozesses wurde von der Stadt Hannover ein unabhängiges Gutachten zur Flächennutzung des Nordstadt-Krankenhauses in Auftrag gegeben. Es stellte sich heraus, dass es keine Notwendigkeit zur Nutzung des Baukasten-Geländes gab und der bisherige Bebauungs- und Nutzungsplan wirtschaftlich unsinnig war. Dies und der aufgebaute politische Druck führten 1997 endlich zur Unterzeichnung eines neuen zehnjährigen Vertrags, der jetzt ausgelaufen ist (siehe Aktuell).